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Ist der freie Wille ein Märchen?

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Seit den Matrixfilmen ist uns allen plastisch vor Augen geführt worden, dass unser Geist in ein Korsett von Gedankenformen eingebettet ist, die durch unsere Erfahrungen entstanden sind. Dazu gehören auch alle Einflüsse, Einstellungen und Werte unserer Umgebung, in der wir aufgewachsen sind. Dazu gehören vor allem emotional stark aufgeladene Erlebnisse, die entweder schmerzhaft waren oder uns Zuwendung und Anerkennung gebracht haben. Sind wir also wirklich frei in unseren Wahrnehmungen und Entscheidungen?

Die Frage nach dem freien Willen gehört zu den Klassikern. Augustinus folgerte um das Jahr 400 aus der Bibel, dass Gott uns mit freiem Willen ausgestattet haben müsse. Das wirkt bis in die heutige Zeit. Unser Rechts- und Gesellschaftssystem ist darauf aufgebaut, dass der Mensch den freien Willen hat, konstruktiv oder destruktiv zu handeln.

Das Libet-Experiment
Doch Anfang der 1980er Jahre erschütterte amerikanische Physiologe Benjamin Libet diese Idee durch sein berühmtes „Libet-Experiment“.
Probanden konnten sich frei zwischen zwei Tasten entscheiden. Erstaunlicherweise ließ sich diese Entscheidung ca. 350 Millisekunden vor dem bewussten Impuls des Probanden aus den elektrischen Reizmustern des Gehirns (Bereitschaftspotential) ablesen. Bis zur Ausführung der Handlung brauchte es weitere 200 Millisekunden.
Im Libet-Experiment ging es nicht um komplexe Entscheidungen. Ob man daraus generell auf die Entscheidungs-Souveränität des Menschen schließen kann, ist fragwürdig.  
Das Experiment wurde von verschiedenen Wissenschaftlern in vielen Variationen mit ähnlichen Ergebnissen wiederholt. Immer kamen Sie zu dem Ergebnis, dass es im Gehirn eine Instanz geben muss, die schon entschieden hat, bevor wir uns bewusst entscheiden.

Hat die Hirnforschung damit den freien Willen als Illusion entlarvt? Was bedeutet das für unser Selbstverständnis? Kann man daraus schließen, dass der Mensch keinen freien Willen hat? Sind wir dann für unser Handeln nicht verantwortlich?
Diese Schlussfolgerungen würden unser Menschenbild verwirren, mit gravierenden Folgen für unsere Vorstellung von Schuld und Verantwortung. Wie soll man einen Kriminellen verurteilen, wenn er gar nicht anders konnte?

Dein Bauchgefühl sagt dazu vermutlich, dass daran etwas nicht stimmen kann. Doch was?

Woher kommt die Intuition?
Das Institute of HeartMath in Kalifornien machte ein weiteres interessantes Experiment. Den Probanden wurden in zufälliger Reihenfolge angenehme  und unangenehme Fotos auf einem Bildschirm gezeigt. Nicht einmal die Tester wussten, welches Bild als nächstes kommen würde. Bei den Probanden wurden während des Experiments die körperlichen Stressreaktionen gemessen. Erstaunlicherweise ging die Stresskurve schon hoch, bevor ein unangenehmes Foto auf dem Bildschirm erschien. Die unbewusste körperliche Sensorik musste die Information – obwohl sie nur der Computer wusste – schon vorher intuitiv empfangen haben. Doch das war nicht alles. Man fand heraus, dass der intuitive Impuls über das Herz in den Körper gelangte.
Empfehlung: Wer mehr über die unbewussten Felder nachdenken möchte, kann sich dieses schöne Video aus Forschungen des Institute of HeartMath ansehen. http://youtu.be/QdneZ4fIIHE

Wer ist der Souverän – das Bewusste oder das Unbewusste?
Wir sind weit davon entfernt, diese Dynamiken zu verstehen. Doch eine These kann man aufstellen:
Der Körper ist ein elektromagnetischer Generator und Empfänger. Addiert man die Voltzahl seiner gesunden Zellen kommt man auf eine Spannung von 50 - 70 Mrd. Volt. Jeder Gedanke ist ein elektrischer Impuls. Kein Wunder, dass der Körper in Feldern eingebettet ist, in denen die ganze bewusste und unbewusste Information eines Menschen gespeichert ist. Diese Felder können über Resonanz mit anderen Feldern in Verbindung treten und dort Informationen abholen.
Diese Kommunikation geschieht unbewusst, da wir auf der bewussten Ebene immer nur einen Prozess zu einer Zeit bearbeiten können. So könnte man das Gehirn und das Bewusste als Empfänger der unbewussten Information verstehen, die aus dem energetischen Feld um jeden lebenden Menschen kommt.
Die Entscheidungen eines Menschen werden vermutlich im Unbewussten getroffen aus allen Informationen, die dem Unbewussten zugänglich sind. Dazu gehören auch bewusst gesetzte Duftmarken wie Werte, Ziele, Wünsche, Absichten. Jeder Mensch füttert durch sein Denken, seine Erfahrungen, seine Emotionen und Bewertungen permanent sein Unbewusstes mit Daten über sich. Auch die Intuition fließt dort ein, die Zugang zu Informationen hat, die nicht aus der Erfahrungswelt des Gehirns stammen. Daraus errechnet das Unbewusste die für ihn passende Entscheidung.
Ist es dann wirklich noch eine Überraschung, dass sich Entscheidungen aus Reizmustern im Gehirn vorhersagen lassen?

Wo steckt der freie Wille?
Libet selbst hat übrigens nie wirklich behauptet, dass der freie Wille eine Illusion sei. Sein Versuch zeigte ja, dass das Bewusstsein im Schnitt rund 200 Millisekunden Zeit hatte zwischen dem Auftauchen des bewussten Impulses und der Ausführung zu entscheiden. Das reicht, um die unbewusst eingeleitete Aktion zu stoppen oder zu ändern. Hat das Bewusste gar ein Vetorecht, wenn ein unbewusst eingeleiteter Impuls auftaucht?

Die Wechselwirkung unseres Denkens mit unserem Verhalten haben Psychologen zur Ehrenrettung des freien Willens bestätigt: Zweifel am freien Willen macht Menschen aggressiver, weniger hilfsbereit und unmotivierter. Im Gegenzug verändert allein der Glaube an den freien Willen die Stärke des Bereitschaftspotenzials, wie italienische Forscher berichten.

Das Füttern des Unbewussten mit Werten, Wünschen, Zielen, Absichten oder die Änderung dieser Faktoren kann als Reaktion auf Umfeld und Erfahrungen erfolgen oder als ein bewusster, willentlicher Akt. Auch wenn das Umfeld, die Matrix, diese Faktoren erheblich beeinflusst - darin steckt eine wichtige Steuerungsmöglichkeit, für die jeder selbst verantwortlich ist.

Vielleicht haben wir nur die Freiheit, ja oder nein zu einem Impuls zu sagen?

Ich habe einen wichtigen Text zu schreiben und ich weiß, dass ich ihn mir aus dem Gehirn quetschen muss. Nichts würde ich lieber tun, als bei dem heutigen schönen Wetter in den Wald zu gehen und Pilze zu sammeln. Doch ich reiße mich zusammen und schreibe. Wer hat diese Entscheidung getroffen? Vielleicht mein Unterbewusstes? Es brauchte allerdings einen kräftigen bewussten Impuls, um diese Entscheidung umzusetzen.





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