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Darwinismus oder Kooperation? Was treibt die Evolution und Erfolg?

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Wir leben in einer Zeit, in der zwei Theorien über Erfolg um die Wette eifern. Aus dem Westen schwappt die darwinistische Idee, dass nur der Stärkere überleben wird - über die Wirtschaft der ganzen Welt - angeführt von Trump mit immer neuen Ellenbogen-Maßnahmen. In der EU schotten sich ganze Staaten ab und tanzen aus der Reihe – die Engländer haben sogar den Brexit gewählt. Die Kooperation scheint in der Krise.

Dabei ist es die Kooperation, die uns als Mensch hervorgebracht hat.
Vor etwa 1,8 Mrd. Jahren entwickelten sich kernhaltige Zellen, die Eukaryonten, deren Nachfolger Bakterien sind. Vor ca. 600 Millionen Jahren erst entwickelten sich mehrzellige Lebewesen – die Metazoen. Was veranlasste die Zellen, sich zusammen zu tun? Die Zellfunktionen werden durch Interaktion der Zellmembran mit der Umgebung gesteuert. So kann die Zelle auf Umwelteinflüsse intelligent agieren und auch mit anderen Zellen kooperieren. Man könnte die Zellmembran daher als das Gehirn der Zelle bezeichnen. Je größer die Zelloberfläche, desto mehr Informationen kann sie austauschen. Die dünnhäutige Oberfläche der Zelle kann jedoch nur bis zu einem gewissen Grad ausgedehnt werden, um nicht zu platzen. Um intelligenter und leistungsfähiger zu werden, waren Gemeinschaft und Kooperation die Lösung. Es entstanden Zellverbände, in denen sich Zellen zu spezialisieren begannen. Unser Körper folgt dieser Idee bis heute – Unternehmen sind ebenso aufgebaut. Je höher die Kooperation, des leistungsfähiger ist das Unternehmen oder das Team.

Was motiviert Menschen mehr – ein persönlicher Gewinn oder Kooperation?

Ein Forscherteam um James K. Rilling Emory Universität in Atlanta von fand 2002 in einem ausgeklügelten Versuch heraus, dass Kooperation den Nucleus accumbens, das zentrale Belohnungssystem in unserem Gehirn, besonders stark aktiviert. Viel stärker als wenn einer der Probanden einen persönlichen Gewinn einstrich.

Kooperation ist offenbar ein stark motivierender Faktor. Gemeinschaftsgefühl und Zugehörigkeit ist dem ähnlich. Für viele ist das Gemeinschaftsgefühl beim Public Viewing einer Fußball-WM wichtiger als das Fußballspiel selbst. Zugehörigkeit hebt unser Selbstwertgefühl an. Kooperation, Zugehörigkeit und Gemeinschaftsgefühl sind Faktoren, auf die eine Arbeitswelt für Menschen Aufmerksamkeit und Wert legen sollte.
Trotz all dieser Erfahrungen – warum dann der scheinbare Rückfall der heutigen Zeit in das Kämpfen und die Dominanz des Stärkeren? Ist uns noch nicht klar, dass es keine isolierte Aktion geben kann, die sich nicht überall in einem System auswirkt? Trump verhängt Strafzölle gegenüber China, China antwortet seinerseits mit neuen Zöllen - Trump antwortet mit weiteren Strafzöllen. Wohin sollen diese unproduktiven Muskelspiele führen? Wann ist das Maß voll?

Der Planet ist ein System, ein Staat, ein Unternehmen – alles Systeme, die wie ein Spinnennetz vibrieren, wenn man es nur an einer Seite antippt. Ein Lagerfeuer in Afrika beeinflusst das Klima auf der Erde. Ein Rind in Argentinien beeinflusst die Ozonschicht. Zuletzt kommt die ausgelöste Welle im Spinnennetz wieder zum Auslöser zurück. Man muss wegschauen, um heute immer noch zu glauben, dass Trumpismus und andere Kämpfismen auf Dauer funktionieren können, ohne in einem Desaster zu enden.

Hatte Darwin wirklich Recht, wenn er vor etwa 150 Jahren den Kampf ums Überleben und den Sieg des Stärkeren als Triebfeder der Evolution betrachtet hat? Ja, männliche Tiere kämpfen, um sich zu messen, damit vorwiegend das Erbgut des Stärkeren weitergegeben werden kann. Das macht viel Sinn und treibt die Evolution an. Doch dramatische Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod gibt es dabei selten. Ein Tierzuchtbetrieb würde es genauso machen. Der französische Biologe Jean-Baptiste de Lamarck hatte schon 50 Jahre vor Darwin die Evolution wissenschaftlich beschrieben. Er betrachtete die Evolution allerdings als Ergebnis der kooperativen Interaktion zwischen Organismen und ihrer Umgebung. Keine Rede von harten, unerbittlichen Kämpfen um ein Stück blutendes Fleisch. Ja, Darwin hatte genauso Recht, wenn der Stärkere der ist, der kooperiert.

Was bedeutet das für die Wirtschaft und die Berufswelt?
Was bedeuten diese Gedanken für unsere Arbeitswelt? Dominanz und Kämpfe kommen scheinbar schnell zu Lösungen – aber sie lassen verbrannte Erde zurück. Ein Beispiel sind die Finanzmärkte, in denen viele wie Cowboys herumgeritten sind auf der Suche nach einseitigem Gewinn, auch wenn dabei andere platt gemacht wurden, ja sogar ein ganzes System ins Wanken kam  – denken wir an die Lehman-Pleite oder den Libor-Skandal. Das endete jedes Mal mit einem Desaster, was viele Menschen ausbaden mussten. Dieser Markt verführt geradezu zum Darwinismus.
Doch je mehr wir in einem System vernetzt sind, desto mehr profitieren wir von Kooperation. Kooperation ist langsamer als Dominanz, sie braucht Pflege und emotionale Kompetenzen. Doch sie ist nachhaltiger und auf Dauer erfolgreicher.

Manchmal brauchen wir eine starke Abgrenzung und Abwehr, um uns zu schützen. Kooperation benötigen wir umso mehr, je mehr wir in einem System vernetzt sind. Das sind wir in vieler Hinsicht – die Vernetzung nimmt jeden Tag zu – neue Vernetzungen zeigen und bilden sich.
Zurzeit machen uns die Trumps dieser Welt klar: Wir stehen am Scheideweg. Entscheiden wir uns für kurzfristigen Vorteil, ohne Verantwortung für die Folgen zu übernehmen, mit Kampf und Zerstörung? Oder entscheiden wir uns für gesunde Kooperation und damit für den nachhaltigen Erfolg in persönlichen Leben, im Unternehmen, der Staatengemeinschaft und letztlich der Menschheit und des Planeten? Die Ereignisse um uns herum, fordern jeden Einzelnen auf, diese Entscheidung zu treffen.

Der Planet schult uns derzeit durch den Klimawandel, Umweltverschmutzungen und Elektrosmog-Verschmutzungen durch 5G darin, Lösungen mit Weitsicht zu entwickeln und nicht verantwortungslos auf kurzfristigen Vorteil zu setzen.






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